Erschöpft im Job trotz Erfolg: Was wirklich hinter dem Dauerstress liegt

Julia Dietze, Karriere-Coach für Frauen für berufliche Neuorientierung Fürth

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Es gibt tausend Gründe, erschöpft zu sein. Die Deadline am Freitag. Die Umstrukturierung. Der neue Chef, der alles anders haben will. Die Kollegin, die seit drei Wochen krank ist, und deren Projekte jetzt bei Dir liegen.

Jeder dieser Gründe ist real. Und trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick. Erschöpft im Job trotz Erfolg: Was wirklich hinter dem Dauerstress liegt.

Warum wir über unsere Grenzen gehen

Denn die große Frage ist: Warum fühlen sich so viele Menschen erschöpft? Warum gehen manche immer wieder über ihre eigenen Grenzen und halten durch, obwohl ihr Körper längst Signale sendet?

Der Grund liegt meist tiefer als das, was offensichtlich ist. Die vielen To-dos, der Dauerstress, ja sogar die Erschöpfung selbst haben eine Funktion. Um das greifbar zu machen, möchte ich Dich in eine Geschichte mitnehmen.

Stell Dir eine Frau vor, Ende 30, erfolgreich im Job, mit Partner und Kind. Sie fühlt sich dafür verantwortlich, dass überall alles läuft. Im Job gibt sie 120 Prozent, zu Hause genauso. Nach einem langen Tag voller Meetings backt sie abends noch einen Kuchen für den Kindergarten. Sie kocht für ihren Mann, obwohl es auch eine Pizza vom Lieferdienst getan hätte.

Und sie macht immer so weiter. Bis sie irgendwann nicht mehr richtig schlafen kann. Ihre Smartwatch zeigt ihr jeden Morgen, wie schlecht die Nacht war. Sie denkt: „Das kann ich jetzt gerade nicht gebrauchen“, und hält sich mit dem dritten Kaffee über Wasser.

Das kann jahrelang gut gehen. Es kann aber auch schon nach Monaten in einer tiefen Erschöpfung enden.

Es gibt Tausende solcher Geschichten. Und viele dieser Frauen suchen in Ratgebern, Podcasts, Büchern und Onlinekursen nach Wegen, wie sie noch produktiver werden. Wie sie alles noch besser unter einen Hut bekommen.

Wenn Beschäftigtsein zur Schutzstrategie wird

Was dabei oft übersehen wird: Das Gestresstsein und Beschäftigtsein erfüllt eine Funktion. Es sorgt dafür, dass wir nicht hinsehen und nicht fühlen müssen.

Viele Menschen tragen Ängste mit sich, die viel älter sind als ihre aktuelle Lebenssituation. Ängste, die sie um jeden Preis nicht spüren wollen. Würde Ruhe einkehren, würde es still werden, dann bekämen diese Gefühle Raum. Also tun diese Menschen das, was sich für sie gerade richtig anfühlt: Sie halten sich beschäftigt. Was wirklich hinter dem Dauerstress liegt, lass uns jetzt genauer hinsehen.

Auf Dauer ist das keine Lösung. Und es lohnt sich, eine Frage zu stellen, die vielleicht erst einmal irritiert:

Wofür ist es gut, so beschäftigt zu sein? Was ist der heimliche Vorteil?

Vielleicht sagst Du jetzt: Da gibt es keinen. Ich würde liebend gern weniger arbeiten.

Weißt Du was? Das glaube ich Dir. Und trotzdem tun wir selten etwas zufällig. Unser Gehirn ist sehr schlau, auch darin, Unangenehmes zu verdrängen und sich anderen Dingen zuzuwenden.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Stell Dir einen ganz normalen Abend vor. Du bist müde, in der Küche stapelt sich das Geschirr, und Du hast keine Lust aufzuräumen. Also schiebst Du es auf. Du nimmst das Handy, scrollst ein bisschen, liest Nachrichten, schaust noch ein Video. Eine halbe Stunde später liegt das Geschirr immer noch da, und Du hast Dich erfolgreich abgelenkt.

Mit Deiner To-do-Liste im Job ist es oft ähnlich, nur gesellschaftlich anerkannter. Die Liste endet nie. Es gibt immer noch eine Mail, noch eine Folie, noch ein Projekt. Und genau das hilft Dir dabei, eines zu vermeiden: dass es still wird.

Denn was kommt dann?

Vielleicht Gefühle, die Du nicht haben willst. Müdigkeit, die Du Dir nicht eingestehen magst. Traurigkeit über etwas, das schon lange nicht mehr passt. Oder die leise Frage: „Ist das schon alles?“

Die Angst hinter den tausend Gründen

Und hier schließt sich der Kreis zum Anfang: Die tausend Gründe für Deine Erschöpfung sind in den allermeisten Fällen Auslöser. Sie berühren eine Angst, die schon lange vorher da war.

Wenn Dein Chef fragt, ob Du das Extraprojekt noch übernehmen kannst, ist das der Auslöser. Was Dich Ja sagen lässt, obwohl Dein Kalender längst voll ist, liegt tiefer. Vielleicht die Angst, nicht gut genug zu sein. Nicht mehr gebraucht zu werden. Die Kontrolle zu verlieren. Oder die Angst vor dem, was Du fühlen würdest, wenn Du einmal nichts tust.

Diese Ängste entstehen selten im Büro. Oft haben wir sehr früh gelernt, dass Anerkennung an Leistung hängt oder dass es sicherer ist, keine Umstände zu machen. Der Job ist nur der Ort, an dem sie heute sichtbar werden.

Meine Erfahrung aus vielen Coachings: Die allermeisten Ängste, die wir im Außen wahrnehmen, haben einen Ursprung, der tiefer liegt.

Genau deshalb hilft ein neuer Job allein so selten. Die Auslöser wechseln mit jeder Firma. Die Angst darunter zieht mit um. Und mit ihr die volle To-do-Liste. Was wirklich hinter dem Dauerstress liegt kann sehr vielfältig sein und es lohnt sich ein liebevoller Blick und HInwendung.

Warum sich Stille so unsicher anfühlt

Ich höre Dich schon sagen: Hä? Ich sehne mich doch nach Ruhe! Jein.

Ein Teil von Dir sehnt sich danach. Ein anderer Teil, Dein Nervensystem, ist seit Jahren an Bewegung gewöhnt. Ich stelle mir das gern wie ein Gefäß vor: Es kann nur halten, was es kennt. Ist es mit Druck gefüllt, fühlt sich Stille fremd an. Fast bedrohlich. Also füllt es sie sofort wieder, mit dem Handy, mit Arbeit, mit dem nächsten Punkt auf der Liste.

Ich kenne das gut. 17 Jahre lang war mein Kalender voll, und ich dachte, mir fehlt Disziplin. Erst als ich mir eine Auszeit genommen habe, mehr als 12.000 Kilometer weit weg, wurde es still genug. Und in dieser Stille kam die Frage, der ich jahrelang ausgewichen war: Was habe ich da die ganzen Jahre gemacht?

Wie sich das verändern kann

Das Gute ist: Diese Angst kann sich verändern, Schritt für Schritt. Im Coaching schauen wir gemeinsam, welche Angst hinter Deiner Erschöpfung steht und wovor Dich Dein Beschäftigtsein schützt. Oft ist schon das eine große Erleichterung, weil Du merkst, dass Dein Verhalten einen Sinn hatte.

Über die Arbeit mit dem Körper lernt Dein Nervensystem nach und nach, dass Stille sicher sein darf. Dass Du auch dann in Ordnung bist, wenn Du einmal nichts leistest. Das Gefäß wächst mit, und die Angst verliert ihre Macht.

Was Dir hilft

Frag nach dem heimlichen Vorteil. Nimm Dir zehn Minuten und schreib auf: Was müsste ich fühlen oder anschauen, wenn meine To-do-Liste morgen leer wäre? Lass alles kommen, ohne es zu bewerten.

Übe kleine Momente der Stille. Fünf Minuten am Tag ohne Handy, ohne Musik, ohne Aufgabe. Setz Dich hin, stell beide Füße auf den Boden und beobachte, was auftaucht. Wenn es unruhig wird, ist das in Ordnung. Genau so wächst Dein Gefäß.

Bemerke Deine Fluchtwege. Achte eine Woche lang darauf, wann Du zum Handy greifst oder noch schnell etwas erledigst. Frag Dich in diesem Moment kurz: Was wollte ich gerade nicht spüren?

Hol Dir Begleitung, wenn es schwer wird. Wenn in der Stille etwas auftaucht, das Dich sehr belastet, musst Du damit nicht allein bleiben. Ein Coaching kann Dir helfen, Schritt für Schritt hinzuschauen. Bei starker Erschöpfung oder anhaltender Traurigkeit sprich bitte zuerst mit Deiner Ärztin oder einer Therapeutin.

Fragen für Dich

  • Wofür ist es gut, dass Du so beschäftigt bist?
  • Was würdest Du fühlen, wenn es eine Stunde lang ganz still wäre?
  • Welche Angst steckt hinter Deinem letzten Ja, das eigentlich ein Nein war?

Fazit

Hinter dem Dauerstress steckt oft mehr als ein voller Kalender. Beschäftigtsein kann Dich vor Gefühlen schützen, die Du lieber nicht spüren möchtest. Wenn Du verstehst, wovor es Dich schützt, kann sich die Angst darunter Schritt für Schritt verändern. Was wirklich hinter dem Dauerstress liegt ist eine wichtige Information, die Dir helfen kann, Muster zu erkenne und nachhaltig zu verändern.

Vielleicht hast Du Dich in diesem Beitrag wiedererkannt. In der Frau, die abends noch den Kuchen backt. In der To-do-Liste, die nie endet. Oder in der leisen Frage, was eigentlich passieren würde, wenn es einmal still wird.

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Häufige Fragen

Warum bin ich ständig müde, obwohl ich genug schlafe?
Erschöpfung entsteht nicht nur durch zu wenig Schlaf. Auch Daueranspannung, ständige Erreichbarkeit und unterdrückte Gefühle kosten Energie. Wenn Dein Nervensystem lange im Alarm ist, kann sich auch eine ganze Nacht Schlaf nicht erholsam anfühlen. Halten Müdigkeit oder Schlafprobleme über Wochen an, lass bitte auch körperliche Ursachen ärztlich abklären.

Woran erkenne ich, dass ich erschöpft bin und nicht nur müde?
Müdigkeit vergeht nach einer guten Nacht oder einem freien Wochenende. Erschöpfung bleibt. Typisch sind schlechter Schlaf trotz Müdigkeit, das Gefühl, nur noch zu funktionieren, wenig Freude an Dingen, die Dir früher gutgetan haben, und ein Wochenende, das nicht mehr reicht.

Wie kann ich produktiver werden, ohne mich zu überfordern?
Oft ist die ehrlichere Frage: Warum möchte ich noch produktiver werden? Wenn hinter dem Wunsch Druck oder die Angst steckt, nicht zu genügen, wird jede neue Methode nur die nächste Aufgabe auf der Liste. Mehr Energie entsteht häufig durch weniger: kleine Pausen, ein klares Nein und Momente der Stille.

Wie bekomme ich Job, Familie und Haushalt unter einen Hut?
Viele Frauen tragen nicht nur die sichtbaren Aufgaben, sondern auch die ständig ratternde Liste im Kopf. Schreib einmal auf, was Du alles im Blick behältst, und frag Dich bei jedem Punkt: Muss ich das wirklich tun? Muss es heute sein? Und muss es perfekt sein? Oft darf mehr abgegeben werden, als Du denkst.

Warum fällt es mir so schwer, Nein zu sagen?
Wenn ein Nein sich wie ein Risiko anfühlt, steckt oft eine ältere Angst dahinter, etwa nicht gut genug zu sein oder nicht mehr gebraucht zu werden. Dein Nervensystem hat gelernt, dass Ja sagen sicherer ist. Mit kleinen Nein-Erfahrungen, die gut ausgehen, kann sich das Schritt für Schritt verändern.

Warum kann ich nicht abschalten, obwohl ich so müde bin?
Oft bleibt der Körper in Bereitschaft, weil er kein Signal bekommt, dass der Tag vorbei ist. Dazu kommt: Wenn es still wird, tauchen Gedanken und Gefühle auf, die tagsüber keinen Platz hatten. Ein fester Schlusspunkt am Abend und ein paar Minuten bewusste Stille können helfen.

Kann ständiges Beschäftigtsein eine Flucht sein?
Ja, das kann es. Viele Menschen halten sich unbewusst beschäftigt, um Gefühle oder Fragen nicht spüren zu müssen, die in der Stille auftauchen würden. Das ist eine Schutzstrategie, und sie hatte oft lange einen guten Grund.

Ist Selbstoptimierung schlecht?
Sich weiterzuentwickeln kann viel Freude machen. Kritisch wird es, wenn Du Dich nur noch verbesserst, um endlich genug zu sein. Dann bringt jede neue Routine und jedes neue Buch nur kurz Erleichterung. Ein guter Prüfstein ist die Frage: Lerne ich gerade aus Neugier oder aus Angst?

Was kann ich gegen Erschöpfung im Job tun?
Hilfreich sind kleine Schritte: feste Pausen, Momente der Stille und ein ehrlicher Blick darauf, was Dich antreibt. Wenn die Erschöpfung tiefer geht, kann ein Coaching Dir helfen, die Ursachen zu verstehen und Deinen Alltag zu verändern.

Wann sollte ich mir Hilfe holen?
Wenn Du seit Wochen schlecht schläfst, körperliche Beschwerden hast, Dich anhaltend traurig fühlst oder kaum noch durch den Tag kommst, sprich bitte zuerst mit Deiner Ärztin oder einer Therapeutin.

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