Warum Du genau weißt, was sich ändern muss und trotzdem nicht ins Tun kommst

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Sonntagabend, endlich ein ruhiger Moment. Und plötzlich siehst Du ganz klar, was sich ändern muss. Der Job, der Dich auslaugt. Die Meetings, die Dich nicht mehr interessieren. Du gehst innerlich das Gespräch mit der einen Kollegin durch, der Du schon lange einmal sagen wolltest, dass Du nicht ständig Ihre Arbeit mit erledigen kannst. Du malst es Dir in allen Facetten aus.

Am Montag um 8 Uhr ist davon nichts mehr übrig. Das erste Meeting, die ersten Mails, und Du funktionierst wieder. Deine berufliche Veränderung bleibt ein Gedanke für den nächsten ruhigen Moment in der Zukunft. Aber warum ist das so? Warum Du genau weißt, was sich ändern muss und trotzdem nicht ins Tun kommst.

Du hast schon so viel verstanden

Vielleicht hast Du ein ganzes Regal voller Bücher über persönliche Weiterentwicklung und berufliche Veränderung. Du hörst Podcasts auf dem Weg ins Büro. Vielleicht hast Du schon das ein oder andere Coaching gemacht. Und trotzdem passiert genau nichts.

In meinen Coachings sitzen mir oft sehr erfolgreiche, selbstbewusste Frauen gegenüber, die ziemlich Treffsicher beschreiben können, was gerade los ist. Jedes Muster, jeden Auslöser, jede Situation, in der sie wieder Ja gesagt haben.

Und wenn ich Sie frage, was sie brauchen, wird es schwierig.

Und direkt vorne weg: Das hat mit Intelligenz oder Disziplin nichts zu tun. Häufig ist es eher, dass wir auf das Gehalt, den Job, das Ja-Sagen ein Stück weit angewiesen sind, weil es keine Alternative gibt. Oder zumindest noch nicht. Und häufig fehlt auch die Kraft, sich nach etwas anderem umzusehen, weil all unsere Energie in das fließt, was gerade da ist. In unseren völlig überfüllten Alltag, mit all den Erwartungen der anderen und uns selbst. Wir sind mitten im Hamsterrad, funktionieren, fallen abends völlig erledigt ins Bett und am nächsten Tag geht es von vorne los.

Warum Wissen und Druck keine berufliche Veränderung bringt

Verstehen passiert im Kopf. Für eine Entscheidung, die sich stimmig anfühlt, braucht es auch den Körper.

Wenn Dein Nervensystem über Jahre im Daueralarm war, hat es eine Aufgabe: durchhalten. Gefühle wie Erschöpfung, Unlust oder Sehnsucht würden dabei nur stören. Also werden sie leiser. Das war lange hilfreich, sonst hättest Du die vollen Projektwochen nicht geschafft.

Ein Modell, mit dem ich in meiner Arbeit gern erkläre, was da passiert, ist die Polyvagal-Theorie. Sie beschreibt, dass wir im Überlebensmodus schlechter Zugang zu flexiblem Denken und zu unserem Spüren haben. Wir können dann sehr gut analysieren. Ein Gefühl von „Ja, das passt zu mir“ entsteht so aber kaum.

Und genau dieses Gefühl brauchst Du für eine Entscheidung. Eine Klientin hat es nach unserer Zusammenarbeit so beschrieben: Ich habe sie dabei begleitet, „eine für mich und mein Bauchgefühl gute Entscheidung zu treffen“.

Ich höre Dich schon sagen: Hä? Ich soll meine Karriere nach dem Bauchgefühl planen? Jein. Dein Kopf darf weiter rechnen, vergleichen und planen. Er braucht nur ein Gegenüber, das ihm sagt, ob sich ein Weg sicher und stimmig anfühlt.

Ich kenne das gut

Ich musste selbst erst lernen, zurück in meinen Körper zu finden, bevor ich beruflich etwas verändern konnte. Weniger nur im Kopf zu leben und mehr zu spüren, was mir guttut. Das klingt banal. Für mich war es nach 17 Jahren Konzern einer der schwierigsten Schritte.

Zwei Abende

Frau A sitzt um 22 Uhr auf dem Sofa und liest das dritte Buch über berufliche Neuorientierung. Danach schreibt sie zum fünften Mal eine Pro-und-Contra-Liste. Alle Argumente sind klug. Keins fühlt sich richtig an.

Frau B legt das Buch für drei Minuten weg. Sie spürt ihre Füße auf dem Boden und fragt sich: Wann habe ich zuletzt eine tiefe innere Zufriedenheit gespürt? Ihr fällt ein Workshop ein, den sie vor zwei Jahren geleitet hat. Sie merkt, wie ihre Schultern dabei weich werden.

Frau B hat noch keine Antwort auf ihre berufliche Zukunft. Aber sie hat eine Spur, und die kommt aus ihrem Körper.

Was hilft

Orientiere Dich im Raum. Wenn Dein Kopf rast, schau Dich langsam um. Drehe dabei bewusst den Kopf, nimm Boden, Decke und alles auf Augenhöhe wahr. Zwei bis drei Minuten reichen oft, damit Dein Körper das Signal bekommt: Gerade ist es sicher.

Spüre die Schwerkraft. Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deine Fußsohlen und auf den Kontakt zum Stuhl. Wie schwer bist Du gerade? Diese kleine Übung hilft besonders, wenn sich alles leer oder taub anfühlt.

Frag Deinen Körper statt Deinen Kopf. Stell Dir die Frage nach der inneren Zufriedenheit und achte auf das, was im Körper passiert. Wird es eng oder weit? Wärmer oder kälter? Schreib auf, was Du spürst, bevor Dein Kopf es bewertet.

Fragen für Dich

  • Wann hast Du das letzte Mal eine tiefe innere Zufriedenheit gespürt?
  • Wo in Deinem Körper merkst Du, dass etwas nicht mehr passt?
  • Was weißt Du schon lange, ohne danach zu handeln?

Fazit

Wenn Du schon so viel verstanden hast und trotzdem nicht ins Tun kommst, fehlt Dir kein weiteres Buch. Dir fehlt die Verbindung zu dem, was Du spürst. Und die lässt sich Schritt für Schritt wiederfinden.

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Häufige Fragen

Warum komme ich bei meiner beruflichen Veränderung nicht ins Handeln, obwohl ich weiß, was ich will?
Oft fehlt nicht das Wissen, sondern das Gefühl, dass ein Weg sicher und stimmig ist. Wenn Dein Nervensystem lange im Daueralarm war, ist dieses Gefühl schwer zugänglich.

Hilft es, noch mehr Bücher zu lesen oder eine Weiterbildung zu machen?
Neues Wissen kann Impulse geben. Wenn Du aber schon viel verstanden hast, bringt Dich meist der Weg zurück zum eigenen Spüren weiter.

Was ist die Polyvagal-Theorie?
Ein Modell von Stephen Porges, das beschreibt, wie unser Nervensystem auf Sicherheit und Gefahr reagiert. Einige Annahmen sind wissenschaftlich noch nicht vollständig belegt. Für die Praxis bietet es trotzdem hilfreiche Anhaltspunkte.

Wann sollte ich mir ärztliche oder therapeutische Hilfe holen?
Wenn Du Dich über Wochen leer, taub oder hoffnungslos fühlst, sprich bitte zuerst mit Deiner Ärztin oder einer Therapeutin.

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